...but if you try sometimes you might find
- you get what you need!
Manche Dinge wünscht man sich so verzweifelt, dass die Gedanken die Fantasie an die Hand nehmen und die beiden zusammen der Realität immer zehn Schritte voraus sind. Und eine Weile rennen die beiden voraus, immer schneller, immer zu. Doch mit der Zeit werden sie müde und überschlagen sich. Sie stolpern über dunkle Wurzeln - die Auswüchse der Angst. Wie riesige Fangarme schnellen sie hinterher und versuchen, die Gedanken zu packen, denn die Angst weiß, wo der schwache Punkt des Gespanns liegt. Und hält die Angst erst einmal die Gedanken zurück, so holt sie auch die Realität bald ein. Die Fantasie steht einsam und fröstelnd da, versucht noch ein Stück voran zu kommen, doch weiß sie schon, dass sie allein das Dickicht der Enttäuschungen nicht durchkämmen kann und deshalb entscheidet sie sich, aus zu harren in der sonnigen Krone der Bäume, errichtet aus Hoffnung.
Doch so weit ist es noch nicht, die Gedanken und die Fantasie haben noch zehn Tage Vorsprung.
Mit der Zeit lernst du,
dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln.
Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit.
Du lernst allmählich,
dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen.
Und Du beginnst,
deine Niederlagen erhobenen Hauptes und offenen Auges hinzunehmen
mit der Würde des Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind.
Und Du lernst,
all Deine Straßen auf dem Heute zu bauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.
Mit der Zeit erkennst Du,
dass sogar Sonnenschein brennt, wenn Du zuviel davon abbekommst.
Also bestell Deinen Garten und schmücke selbst dir die Seele mit Blumen,
statt darauf zu warten, dass andere Dir Kränze flechten.
Und bedenke,
dass du wirklich standhalten kannst ... und wirklich stark bist.
Und dass Du Deinen eigenen Wert hast.
Das alles haben wir gemeinsam gelernt. Die wesentlichen Dinge habe ich mit dir an meiner Seite gelernt, in einer Zeit als wir beide beste Freundinnen waren und es keine andere gegeben hätte, die diese Position hätte einnehmen können.
Das alles haben wir gemeinsam gelernt, ohne je wirklich zu wissen, was es bedeutet...
Und es ist wahr, ich hab diesen Glauben trotzdem und immer noch. An manchen Tagen mehr und an anderen weniger. An manchen Tagen fällt diese Hoffnung leicht und anderen schwerer. Aber aufgegeben habe ich sie nie ganz. Doch zwischen an eine Hoffnung glauben und jene real leben, liegt ein Unterschied. Ein Unterschied, den man vielleicht nie überwinden kann, aber man kann danach streben, ihn zu verringern, auch wenn das mit einem Risiko einhergeht. Nämlich mit dem Risiko, sich zu irren, mit dem Risiko, enttäuscht zu werden und mit dem Risiko verletzt zu werden. Und ich bin der Meinung, das Wissen um jenes Risiko ist viel wert, es ist etwas, was man sich erst mit der Zeit und aus der eigenen Erfahrung heraus aneignen kann - es ist einerseits der Beweis, dass man nicht mehr vollends mit offenen Armen und Herzen durchs Leben geht, weil man erfahren hat, dass völlige Offenheit und totale Hingabe verletzlich machen und es schützt uns andererseits davor, verloren zu gehen in einer Beziehung, weil wir wissen wie wichtig es ist, man selbst zu bleiben und sich nicht aufzulösen.
Aber je mehr einem dieses Risiko bewusst ist, desto schwerer ist es, einen Anfang zu wagen, den ersten Schritt zu gehen und ihn auch nicht im nächsten Moment wieder zu bereuen und vor der vermeintlich falschen Entscheidung weg zu laufen.
In der Schule habe ich es gehasst, pro und contra Listen aufzustellen, Diskussionen zu fingieren. Aber heute, fernab von Schullogik und einstudierten Konflikten mitsamt Lösungsansätzen, ertappe ich mich dabei wie ich jede größere Entscheidung genau auf jene Weise abwäge. In der Schule hieß es immer, wenn man auch nur ein Gegenargument findet, ist der Sachverhalt zu überdenken... aber was wäre wenn man diesen Grundsatz umdrehen würde -
wäre es dann nicht so, dass bei nur einem wesentlichen Argument für jenen "Sachverhalt", es den Versuch wert wäre?
Das soll nicht heißen, dass es damit gerechtfertigt wäre, von vornherein alles zu investieren und nichts unversucht zu lassen.
Das bedeutet nicht, springen zu sollen ohne Netz und doppelten Boden.
Es heißt letztendlich nur, sich auf das Seil zu stellen und zu sehen wie es einen trägt und auszutesten, ob einem diese Höhe gefällt.
Mittwoch, 15. Februar 2012
"Habt Ihr schon einmal einen Traum mit dem Leben verwechselt? Oder etwas gestohlen, obwohl Ihr genug Geld dafür gehabt hättet? Wart Ihr schon einmal richtig niedergeschlagen? Hattet Ihr schon einmal das Gefühl, dass der Zug indem Ihr sitzt fährt, obwohl er steht?"
"Girl Interrupted"
Hattet ihr schon mal Angst, den wichtigsten Menschen in eurem Leben zu verlieren?
Und könnt ihr euch vorstellen, wie groß diese Angst sein muss, wenn ihr jenen Menschen schon einmal verloren habt? Und wenn ihr genau wisst, dass ihr das nicht nochmal durchsteht?
Ich habe "meine Person" ein weiteres Mal gefunden - die Person, der man alles anvertraut, egal wie persönlich es ist, egal wie tief es in einem liegt, egal wie peinlich es einem ist. "Eure Person" - dass ist der Mensch, dem ihr zu hundert Prozent vertraut, der ihr überall hin folgen würdet, ohne die euer Leben von einer schier unglaublichen Leere beherrscht werden würde.